Bei der mündlichen Prüfung kommt es nicht nur auf den Inhalt an, also auf das, was Sie wissen, sondern auch darauf, wie Sie Ihr Wissen darstellen und rüberbringen. Je selbstbewusster Sie wirken, je professioneller Ihre Präsentation ist, desto größer ist die Chance auf eine gute Note.

Wie Sie Ihre Inhalte gut verpacken, dazu geben wir Ihnen hier 6 Tipps:


#1 Üben, üben, üben!

Klingt nach einem blöden Tipp, ist es aber nicht. Sie sollten das, was Sie präsentieren, inhaltlich so beherrschen, dass Sie es immer ohne Hilfsmittel vortragen könnten. Also selbst wenn der Beamer ausfällt oder Sie nicht auf den Monitor schauen können. Das was Sie erzählen wollen, muss sitzen – auch ohne Moderationskarten.

Sie müssen nicht Ihren ganzen Vortrag auswendig lernen. Im Gegenteil, runtergelesene oder auswendig gelernte Vorträge klingen leicht monoton und wenig spannend. Aber Sie müssen die Struktur Ihres Vortrages im Kopf haben (wann kommt welches Chart mit welchem Inhalt) und grob wissen, was Sie zu jedem Chart sagen wollen. Die Worte kommen dann ganz von alleine.

Wie Sie das machen? Üben, immer wieder üben. Morgens unter der Dusche, auf dem Weg zur Arbeit oder abends vor dem ins Bett gehen. Erzählen Sie sich Ihren eigenen Vortrag – immer und immer wieder, bis er sitzt. Und zwar möglichst laut (klar, nicht im Bus).

Ich halte über 50 Vorträge pro Jahr. Und mache es bis heute nicht anders. Wenn ich neue Vorträge konzipiere oder Inhalte ändere, erzähle ich mir diese auf dem Weg zur Arbeit im Auto. Und zwar laut und nicht in Gedanken. Denn in Gedanken versprechen wir uns nicht – beim lauten Sprechen leider schon. Wenn Sie merken, dass das Thema sitzt, erzählen Sie es mindestens einmal vor Publikum, z.B. Ihren Eltern oder einem Freund. Zuhörer zu haben, ist immer eine ganz andere Baustelle als sich selber etwas zu erzählen. Ein frei gehaltener Vortrag wirkt selbstbewusst und überzeugend. Da kommen Prüfer viel seltener auf die Idee, an bestimmten Punkten unangenehm nachzufragen. Demnach ist Üben hier eine Investition, die sich wirklich lohnt.


#2 Weniger ist mehr!

Das gilt für Ihre Präsentation gleich doppelt. Einmal für die Menge an Informationen, die Sie auf einem Chart unterbringen und zum zweiten für das Design.

Alte Präsentations-Weisheit: Nie mehr als 7 Informationen auf einem Chart. Fassen Sie die Informationen stichpunktartig zusammen und verzichten Sie auf längere Texte. Die Präsentation soll Ihre Aussagen unterstützen, nicht ersetzen. Ihre Prüfer können lesen, warum sollten sie Ihnen zuhören, wenn all das Gesagte schon auf Ihren Charts steht?

Vergessen Sie wilde blinkende Animationen oder die Verwendung von 5 unterschiedlichen Schriftarten und am schlimmsten: WordArt. Halten Sie Ihre Präsentation clean. Gut lesbare Schriften, möglichst schwarz oder dunkelgrau auf weißem Hintergrund (Schriften auf farbigen Hintergründen sind immer schlechter zu lesen), Grafiken zur Unterstützung Ihrer Inhalte oder kleine Icons, aber mehr auch nicht.

Wenn es in Ihrem Unternehmen eine Vorlage für Präsentationen gibt, nutzen Sie diese. Sie haben so ohne großen Aufwand eine gute Basis, die Sie nur noch mit Leben füllen müssen. Erzählen Sie ruhig, dass das die offizielle Vorlage Ihres Unternehmens ist – falls Sie den Prüfern nicht gefällt, wissen die, dass nicht Sie diese Vorlage ausgesucht haben.

Ich bin ein großer Freund von humorvollen Charts – aber nicht in einer mündlichen Prüfung! Jedes Stilmittel hat seinen Einsatzbereich – Humor passt einfach nicht in eine Prüfungssituation. Das kann gehörig nach hinten losgehen, wenn Sie nicht den Humor Ihrer Prüfer treffen, die den Witz nicht verstehen und dann das Gefühl haben, Sie nehmen das Ganze nicht ernst genug.


#3 Wer fragt was wo?

Natürlich können Sie nicht wirklich wissen, was die Prüfer Sie im Anschluss an Ihre Präsentation fragen. Aber Sie können es erahnen. Überlegen Sie sich schon bei der Erstellung Ihres Vortrages, wo sich Anknüpfungspunkte für Fragen ergeben können. Und diese Fragen sollten Sie dann natürlich aus dem „FF“ beantworten können.

Ihr Ausbildungsunternehmen ist eine GmbH & Co. KG? Ein wunderbarer Anknüpfungspunkt, um sich die Gesellschaftsformen erklären zu lassen. Sie erzählen etwas über eine Verkaufsabwicklung? Auch sehr schön, um nach Vertragsarten zu fragen oder nach der Abwicklung von Reklamationen. Also, wann ist ein Mangel ein Mangel und welche rechtlichen Konsequenzen hat ein Mangel?
Bedenken Sie bei Ihren Antworten immer: Alles was theoretisch ist, wissen die Prüfer im Zweifelsfall besser als Sie. Wie Dinge aber in Ihrem Unternehmen abgewickelt werden, wissen die Prüfer nicht. Hier können Sie – im rechtlichen Rahmen – durchaus improvisieren. Versuchen Sie daher immer Fragen mit Praxisbezug zu beantworten. Also nicht „ein Mangel ist ….“ Sondern „bei uns im Unternehmen wird mit Mängeln wie folgt umgegangen“.

Die Themen, die Anknüpfungspunkte bieten, sollten Sie beherrschen. Natürlich können Sie auch Fährten legen. Also ein Thema wie Mangel nur kurz anschneiden und hoffen, dass es ein Prüfer später aufgreift.


#4 Schau ihnen in die Augen, Kleines!

Sie sind nervös, das ist normal. Wenn wir nervös sind, neigen wir dazu, weg zu schauen, weil wir wissen, die Augen sind der Spiegel unserer Seele und darin kann man auch die Nervosität ablesen. Schaffen Sie es, Ihre Prüfer direkt anzuschauen und auch anzusprechen, haben Sie die besten Karten für eine gelungene Präsentation. Das zeugt von Selbstbewusstsein und das lässt uns Menschen automatisch darauf schließen, dass Sie schon wissen, worüber Sie reden.

Der, der die ganze Zeit nur auf den Boden schaut und sich einen zurecht stammelt, hat da deutlich schlechtere Karten. Unsicherheit überträgt sich automatisch auch auf das inhaltlich Gesagte. Also Kopf hoch, dann wird das schon!

Übrigens ist die Angst kein schlechter Begleiter – Sie dürfen sie nur nicht die Überhand gewinnen lassen. Angst sorgt dafür, dass wir sehr fokussiert sind. Durch die damit verbundene Hormonausschüttung spüren wir Dinge, die uns ablenken könnten – wie z. B. Hunger – nicht. Akzeptieren Sie, dass Sie nervös sind. Es mag komisch klingen, aber es kann helfen, die Angst zu begrüßen. „Hallo Angst, ich verstehe, dass du da bist, aber ich kann dir gerade leider nicht so viel Aufmerksamkeit schenken, weil ich mich auf meine Prüfung konzentrieren muss.“ Das ist ein alter Trick aus der Psychologie und kann der Angst den Schrecken nehmen – einfach mal ausprobieren.

Ähnlich erfolgversprechend wie ein Blick in die Augen der Prüfer ist Ehrlichkeit. Auch die zeugt von Selbstvertrauen – so widersprüchlich das klingen mag. Sie kommen an einer Stelle nicht mehr weiter oder haben den roten Faden kurz verloren? Stehen Sie dazu. Sagen Sie ehrlich: „Jetzt haben Sie mich kurz aus dem Konzept gebracht.“ Sammeln Sie sich und machen Sie weiter. Das wirkt wesentlich selbstbewusster als wenn Sie anfangen, rumzustottern. Sagen Sie ruhig ehrlich vor Beginn Ihrer Präsentation, dass Sie richtig aufgeregt sind. Das macht Sie sympathisch und die meisten Prüfer werden alles tun, um Ihnen ein wenig von Ihrer Aufregung zu nehmen.

Wenn man Ihnen ein Getränk anbietet, nehmen Sie es, selbst wenn Sie Wasser ohne Kohlensäure freiwillig sonst nicht trinken würden. Kommen Sie mal ins Stocken, können Sie einen Schluck trinken, kurz nachdenken und dann weitermachen. Alter Redner-Trick.
Warum ohne Kohlensäure? Weil Aufstoßen oder Rülpsen in der Prüfung einfach nicht gut kommt.


#5 Geschichten statt Fakten!

Mündliche IHK Prüfung und Sie sollen Geschichten erzählen? Geht es noch? Ja genau so geht es. Erzählen Sie eine spannende Geschichte, statt einfach nur Fakten aufzulisten. Wir Menschen mögen Geschichten und hören dann besonders gerne zu, wenn wir etwas spannend finden. Und je mehr Sie erzählen, desto weniger Zeit haben die Prüfer, nachzufragen.

Fast jedes Thema, sei es auch noch so theoretisch, eignet sich, um eine Geschichte zu erzählen. Nehmen wir den Verkauf eines Produktes. Sie können einfach die verschiedenen Prozessschritte runterleiern. Das ist zum Zuhören wenig spannend und Sie sind auch schnell fertig damit. Sie können das Ganze aber auch an einem Beispiel aus Ihrem Unternehmen erzählen – vom ersten Kundengespräch bis die Ware das Unternehmen verlassen hat. Oder vom Einkauf bis zur Verbuchung in der Buchhaltung. Am besten nehmen Sie ein Beispiel, das Sie so selber erlebt haben. Konzentrieren Sie sich inhaltlich auf die Besonderheiten Ihres Unternehmens, weil diese von den Prüfern nicht wirklich überprüft werden können (solange Sie sich an den rechtlichen Rahmen halten).

Also statt „Beim Verkauf von Produkt A muss ich folgende Schritte beachten“ sagen Sie lieber „Da hat an einem schönen Dienstagmorgen ein Kunde angerufen – ich nenne ihn aus Datenschutzgründen Herr Meier (Achtung: Anknüpfungspunkt für Nachfragen zur DSGVO). Herr Meier ist ein langjähriger, aber nicht immer ganz einfacher Kunde unseres Unternehmens. Und auch dieses Mal hatte die Bestellung von Herrn Meier seine besondere Herausforderung. Er brauchte Produkt A für eine Messe in Shanghai, für die die Container schon in 5 Tagen gepackt sein mussten. Normalerweise beläuft sich die Lieferzeit für Produkt A aber auf 10 Werktage, da es kundenspezifisch gefertigt wird.“

Noch bevor Sie zum ersten Fakt gekommen sind, haben Sie auf nette Art und Weise Zeit geschaffen, ohne zu schwafeln – Zeit, die den Prüfern später für lästige Nachfragen fehlt.

Die Fakten (also welche Schritte Sie beim Verkauf von Produkt A beachten müssen) halten Sie stichpunktartig auf Ihren Charts fest, sodass Ihnen beim Erzählen kein Punkt durchgeht. Umgekehrt werden Ihnen die Prüfer ganz anders zuhören, weil sie nicht einfach Ihre Charts ablesen.


#6 Drum prüfe, wer einen Vortrag hält!

Technik ist heimtückisch. Da passt die Anschlussstelle des Beamers nicht zum Kabel vom Notebook oder in dem Augenblick, in dem Sie mit der Präsentation beginnen wollen, gibt die Batterie vom Presenter den Geist auf. Seien Sie also gut vorbereitet!
Wird der Beamer von der IHK gestellt, fragen Sie vorher, ob es einen VGA- oder HDMI-Anschluss gibt. Notfalls nehmen Sie einen entsprechenden Adapter mit. Bringen Sie Ihren eigenen Beamer mit, testen Sie ob Notebook und Beamer gut zusammenspielen und der Beamer auch gut lesbar projiziert und nehmen Sie Ersatzbatterien für den Presenter mit.
Üben Sie die Präsentation mindestens einmal auf dem Notebook, das Sie mit in die Prüfung nehmen. Nehmen Sie die Präsentation auf einem USB-Stick mit, prüfen Sie, ob die Präsentation wirklich auf dem Stick ist, indem Sie den Stick in einen anderen Rechner stecken und auf diesem die Präsentation öffnen.
Technische Pleiten, Pech und Pannen können Sie ordentlich aus dem Konzept bringen. Daher lieber alles zweimal checken, als keinmal.

Was Sie auch überprüfen sollten, ist die Rechtschreibung Ihrer Charts. Lassen Sie die Charts von jemand anderem Korrektur lesen. Unsere eigenen Fehler sehen wir oft nicht – die Prüfer leider schon. Und nach wie vor finden Lehrer und Prüfer eine fehlerfreie Rechtschreibung einfach gut. Aus Fehlern in den Charts könnten Prüfer folgern, dass Sie auch inhaltlich nicht fit sind.

Achten Sie darauf, dem Anlass angemessene, aber bequeme Kleidung tragen. Zu enge Kleidung nimmt Ihnen die Luft zum Atmen und genau die brauchen Sie dann in ausreichender Menge zum Denken. Sind wir nervös, atmen wir automatisch schneller ein und aus und da kann der zu eng sitzende Rock- oder Hosenbund schon zum Problem werden.

Und zum Thema Kleidung. Lieber mal „‘ne Schüppe drauf“. Hemd oder Bluse statt T-Shirt und eine (aus Mamas Sicht) ordentliche Hose, statt die coole Jeans mit Löchern. Und immer gut geputzte Schuhe – gerade Frauen schließen gerne von Schuhen auf den Charakter.


Jetzt wünsche ich Ihnen viel Glück.
Und immer fest daran glauben – Sie schaffen das!

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