Sie halten keinen Report und keine Präsentation, sondern haben eine klassische mündliche Prüfung, dann haben wir hier die passenden Tipps für Sie:


#1 Wer schreibt, der bleibt!

Bei der klassischen mündlichen Prüfung bekommen Sie vor der Prüfung je nach Beruf zwei Themen gestellt, von denen Sie eines auswählen dürfen. Auf dieses Thema können Sie sich ca. 15 Minuten vorbereiten. Diese Zeit sollten Sie nicht nur zum Denken nutzen, sondern auch zum Schreiben.

Schreiben Sie auf, was Ihnen alles zum Thema einfällt. Von kurzen Stichpunkten, über wichtige Fakten, rechtliche Rahmenbedingungen bis hin zu Definitionen. Sie dürfen all das Geschriebene mit in die Prüfung nehmen. Kein Prüfer wird es Ihnen negativ auslegen, wenn Sie etwas von Ihrem Zettel ablesen oder zur Sicherheit auf Ihren Zettel schauen. Genau dafür ist die Vorbereitungszeit da.

Im Gegenteil – die meisten Ihrer Prüfer kommen noch aus einer Zeit, wo analoges Aufschreiben durchaus total normal war. Wenn jemand sich gute Notizen gemacht hat, werden sie diese zu schätzen wissen.

So laufen Sie nicht so schnell Gefahr, etwas zu vergessen. Also nicht nur die Wände anstarren, sondern so viel wie möglich aufschreiben!


#2 Es kann nur einer reden!

In Prüfungen gilt: Reden Sie, lassen die Prüfer Sie in den meisten Fällen (außer Sie erzählen wirklich Stuss) auch reden. Umgekehrt gilt, je weniger Sie reden, desto mehr führen Sie die Prüfer in Versuchung, zu fragen. Es gibt für die Prüfung eine vorgeschriebene Zeit und die muss ausgefüllt werden. Also reden Sie!

Natürlich sollen Sie nicht rumschwafeln oder zwei, drei Schwanks aus Ihrem Leben erzählen. Aber Sie können die sachlichen Fakten schon in einer zur Frage passenden Geschichte aus Ihrer beruflichen Erfahrung stecken.

Nehmen wir einmal das Beispiel „Mangel“. Sie haben ein mangelhaftes Produkt geliefert und sollen nun darstellen, welche Rechte der Kunde als Verbraucher hat.

Sie können jetzt kurz zusammenfassen, dass Mängel „Qualitätsmängel“ oder „Falschlieferung“ sein können und der Kunde diesen Mangel anzeigen muss. Die Gewährleistungsfrist bei Mängeln beträgt zwei Jahre, in den ersten 6 Monaten liegt bei einem Verkauf an einen Verbraucher die Beweislast beim Händler (Beweislastumkehr). Handelt es sich nicht um einen geringfügigen Mangel, hat der Kunde ein Wahlrecht zwischen Nachbesserung und Nachlieferung. Und fertig wären Sie – in nicht mal 2 Minuten.

Oder Sie greifen einen Fall aus der Praxis auf und fangen an, eine Geschichte dazu zu erzählen. Die Geschichte von Kunde Meier. Kunde Meier ist seit längerer Zeit Kunde bei Ihnen im Haus und als sehr schwieriger und anspruchsvoller Kunde bekannt, der sehr gerne Dinge reklamiert, auch wenn diese keine wirklich erkennbaren Mängel haben. Weil bei Ihnen im Hause Kundenservice natürlich großgeschrieben wird, ist es wichtig, jeden einzelnen Fall genau zu prüfen, um dem Kunden kein Unrecht zu tun. Dafür überprüfen Sie zuerst einmal die Bestellung des Kunden und den Lieferschein, um sicherzugehen, ob die Reklamation noch innerhalb der Gewährleistungsfrist erfolgt ist. In diesem Fall ist die Bestellung 3 Wochen alt, sodass der gesetzliche Anspruch auf jeden Fall besteht. Denn der gesetzliche Anspruch bei Qualitätsmängeln beläuft sich auf zwei Jahre, wobei bei den ersten 6 Monaten die Beweislastumkehr gilt. Das bedeutet, dass wir dem Kunden nachweisen müssten, ob er den Mangel selbst verursacht hat. Da die Bestellung erst vor 3 Wochen ausgeliefert wurde, ist erst einmal davon auszugehen, dass der Mangel, sofern er wirklich vorliegt, schon bei der Übergabe bestanden hat.
Nun könnte Herr Meier eine Nachbesserung (also eine Reparatur) oder Nachlieferung, also Zusendung einer fehlerfreien Neuware, verlangen. Der Kunde kann wählen, von welchem Recht er Gebrauch machen will. Bei kleineren Qualitätsmängeln könnte man sich auch auf eine Preisminderung einigen.
Um einschätzen zu können, ob es sich wirklich um einen Mangel handelt und wie groß der Mangel ist, wird bei Ihnen im Unternehmen der Kunde gebeten, das Produkt zurückzuschicken, damit Sie den vorliegenden Mangel prüfen können. Dafür schicken Sie dem Kunden einen Rücksendeschein zu, damit er das Produkt ohne zusätzliche Kosten zurückschicken kann. DHL holt das Produkt auch beim Kunden zu Hause ab, sodass dem Kunden kein zusätzlicher Aufwand entsteht.

Und diese Geschichte könnten Sie jetzt noch weitererzählen, ohne dass Sie vom Thema abweichen oder schwafeln, sondern nur, indem Sie erzählen, wie in Ihrem Unternehmen mit Mängeln umgegangen wird. Zweiter großer Vorteil – ob das wirklich in Ihrem Unternehmen so gemacht wird, können die Prüfer kaum nachvollziehen, wenn Sie sich bei den Schilderungen an den rechtlichen Rahmen halten.

Sie könnten jetzt noch erzählen, dass Herr Meier sich wie üblich gesträubt habe, das Produkt zurückzuschicken und er sofort eine Preisminderung haben wollte. Da dies aber eine bekannte Masche von Herrn Meier sei, um den Preis von Produkten zu drücken, haben Sie nachdrücklich darauf bestanden, dass er die Ware zurückschickt. Jetzt könnten Sie weiter beschreiben, welche internen Prozesse in Gang kommen, wenn der Kunde die Ware wirklich zurückschickt.

Und schon sind 5 – 10 Minuten Ihrer Prüfungszeit vorbei. Sie sind beim Thema geblieben, haben den Prüfern damit aber wesentlich weniger Chancen gegeben, nachzufragen.


#3 Freundlichkeit gewinnt!

Prüfer sind auch nur Menschen und entscheiden, wie wir fast alle, nicht nur mit dem Kopf, sondern auch gesteuert durch Emotionen. Wer nett ist, dem sind wir einfach positiver gegenüber eingestellt. Machen Sie sich das zu Nutze!

Auch wenn es schwerfällt, weil die Nervosität ordentlich an Ihren Nerven zehrt, betreten Sie den Prüfungsraum mit einem freundlichen Lächeln. Mit einem Lächeln gewinnen Sie Herzen.
Begrüßen Sie alle Prüfer freundlich, schauen Sie ihnen in die Augen und sprechen Sie diese mit ihren Namen an, soweit Ihnen diese bekannt sind (oft stehen Namensschilder vor den Prüfern oder sie stellen sich Ihnen zu Beginn vor).

Schauen Sie auch während der Prüfung immer wieder Ihren Prüfern in die Augen. Ist schwierig, aber gerade weil es schwierig ist, wird es als Zeichen eines gewissen Selbstbewusstseins gewertet.

Das mag Ihnen jetzt ganz komisch vorkommen, aber bedanken Sie sich am Schluss Ihrer Prüfung (bevor es die Noten gibt) bei Ihren Prüfern für diese Prüfung und dafür, dass sie Sie so fair behandelt haben.
Wir Menschen hören gerne ein Lob und das wird von den Prüfern sicher positiv wahrgenommen. Aber Achtung! Nicht zu dick auftragen. Wenn die Prüfer das Gefühl haben, Sie wollen ihnen nur Honig um den Bart schmieren, kann das leicht nach hinten losgehen.


#4 Sag der Angst „Guten Tag“!

Noch so ein merkwürdiger Tipp? Es mag seltsam klingen, ist aber ein Trick aus der Psychologie. Dass Sie am Prüfungstag nervös sind und Angst vor dem haben, was kommt, ist ganz normal. Und je mehr Sie das akzeptieren, desto besser können Sie Ihre Angst steuern.

Angst ist eine schlaue Erfindung unseres Körpers. Haben wir Angst, schüttet der Körper eine Vielzahl von Hormonen aus, die dafür sorgen, dass eine Art Notprogramm in unserem Körper gestartet wird. Der Körper läuft auf Hochtouren und alle nicht wichtigen Funktionen werden eingestellt. Daher haben wir bei Angst zum Beispiel keinen Hunger. Weil der Körper das Blut in die Muskeln und ins Herz abzieht, kann es auch zum gefürchteten Blackout im Gehirn kommen.
Der Körper meint, nicht denken, sondern handeln zu müssen. Und zwar flüchten, totstellen oder kämpfen. Alles keine optimalen Voraussetzungen für eine Prüfung. Deshalb ist es wichtig, die Angst in den Griff zu bekommen, um gut und klar denken zu können.

Und das funktioniert zum Beispiel damit, dass Sie der Angst freundlich „Guten Tag“ sagen. Sie wahrnehmen, aber ihr klar machen, dass Sie sich jetzt gerade auf etwas anderes fokussieren müssen. Aus der Psychologie wissen wir, dass wenn wir Problemen Namen geben und sie freundlich begrüßen, ihnen nur kurz Aufmerksamkeit geben, uns dann aber wieder auf andere Dinge konzentrieren, diese schnell an Schrecken verlieren.

Probieren Sie es mal aus „Guten Tag Angst. Ich verstehe, dass du jetzt da bist, weil die Prüfung ja ganz wichtig und aufregend ist. Aber ich kann dich gerade gar nicht gut gebrauchen und würde dich daher bitten, dich nicht so breit in mir zu machen. Ich muss nämlich jetzt klar denken können. Daher kann ich mich gerade nicht um dich kümmern.“

Ebenfalls helfen kann „Atmen“. Und zwar gezielt nach dem Schema 5 – 7 – 8. Fünf Sekunden lang einatmen, 7 Sekunden den Atem anhalten und 8 Sekunden (also sehr langsam) wieder ausatmen.
Dadurch wird Ihr System runtergefahren, die Atmung beruhigt sich und das Gehirn wird besser mit Sauerstoff versorgt.

Gut und dann gibt es da noch den alten Trick, sich die Prüfer in Unterwäsche vorzustellen, weil das den Schrecken vor ihnen nehmen soll. Lautes Loslachen in der Prüfung kommt aber auch nicht so gut an, daher weiß ich nicht, ob ich Ihnen wirklich zu dieser Technik raten soll.


#5 Kleider machen Leute!

Wenn Sie etwas verkaufen wollen – und in der mündlichen Prüfung verkaufen Sie in gewisser Weise sich und Ihr Wissen, sollten Sie immer überlegen, was Ihr Gegenüber von Ihnen erwartet. Und glauben Sie mir, von angehenden Kaufleuten erwarten die meisten Prüfer ein gepflegtes Outfit, oder das, was sie darunter verstehen. In diesem Augenblick zählt nicht, was gerade cool oder hip ist, sondern nur die Erwartung Ihrer Prüfer.

Kleidung sollte dem Zweck angemessen und trotzdem bequem sein. Dem Zweck angemessen bedeutet, ein bisschen schicker und eleganter als das, was Sie in Ihrer Freizeit tragen. Aber auch nicht das „kleine Schwarze“ oder der Smoking. Sondern Hosen ohne coole Löcher und statt dem T-Shirt einfach mal ein Hemd oder eine Bluse. Vielleicht noch ein Sakko drüber und gut ist. Wenn Sie im Arbeitsalltag Anzug tragen, dann auch in der Prüfung. Wenn nicht, dann müssen Sie das auch in der Prüfung nicht.

Und noch ein Tipp an die Damen: Selbst wenn Sie ein tolles Dekolleté vorzuweisen haben, lassen Sie es nicht zu sehr raushängen, bleiben Sie auch hier dezent. Auch wenn es vielleicht einem männlichen Prüfer gefallen würde, die weiblichen Prüfer hätten Sie damit garantiert nicht auf Ihrer Seite.

Achten Sie auch darauf, dass Ihre Schuhe sauber sind. Gerade Frauen achten in besonderem Maße auf Schuhe und schließen leicht mal von den Schuhen auf den Charakter ihres Trägers.

Auch wenn die Kleidung vielleicht ein wenig schicker ist als Ihre Alltagskleidung, so sollten Sie sich darin wohlfühlen und gut atmen können. Wenn Ihnen ein zu enger Kragen oder ein einschnürender Hosen- oder Rockbund die Luft nimmt, so ist das extrem ungünstig. Sind wir nervös, atmen wir schneller, brauchen mehr Sauerstoff und wenn der fehlt, kann es ärgerlich werden.

Achten Sie auf jeden Fall auch darauf, dass Ihre Kleidung sauber und gepflegt ist und Sie gut riechen. Deo ja, aggressives Parfüm aber auf keinen Fall. Wenn Sie nervös sind, schwitzen Sie automatisch mehr und Schweiß riecht nie gut. Kein Mensch hält sich gerne mit einem Menschen in einem Raum auf, der unangenehm nach Schweiß riecht – auch Ihre Prüfer nicht. All das beeinflusst im Unterbewusstsein Ihre Prüfer und glauben Sie mir, definitiv nicht zum Positiven.


Ich wünsche Ihnen viel Erfolg! Immer fest daran glauben: Sie schaffen das!

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